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Archiv - Steuertipps 2012

Wir haben Ihnen Steueränderungen bzw. Steuerinformationen aus dem Steuerjahr 2012 hier zur Verfügung gestellt. Diese werden von uns nicht mehr aktualisiert. Sie dienen jediglich zu Ihrer Information.

Fahrten zu Orchesterproben sind keine Fortbildungsaufwendungen...

Datum: 01.06.2012 | Rubrik: Werbungskosten
Mit dem am 15. Mai 2012 veröffentlichten Urteil zur Einkommensteuer (Az. 5 K 2514/10) hat das Finanzgericht Rheinland-Pfalz zu der Frage Stellung genommen, ob Aufwendungen eines Lehrers für Fahrten zu Orchesterproben als steuermindernde Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit abgezogen werden können.

Im Urteilsfall machte ein Fachschullehrer für Musik für seine Fahrten zu Musikproben verschiedener Sinfonieorchester in seinen Einkommensteuererklärungen Beträge von rund 2.500 Euro als Werbungskosten mit der Erläuterung geltend, es handele sich dabei um Fortbildungsaufwendungen. Auf Nachfrage des Finanzamts gab er unter Vorlage verschiedener Bescheinigungen von Orchesterleitern über seine Tätigkeit - etwa Satzproben in bestimmten Instrumentengruppen - an, er habe Musik studiert und sein Arbeitgeber fordere eine stetige Weiterbildung. Eine künstlerische Weiterbildung könne nur im Zusammenspiel mit gleichermaßen hoch ausgebildeten Musikern in (semi-professionellen Ensembles erfolgen. Für die Mitwirkung in dem Orchester habe er kein Honorar bezogen.

Das Finanzamt sah die geltend gemachten Aufwendungen hingegen als nicht abzugsfähige Kosten der privaten Lebensführung an und lehnte den Ansatz entsprechender Werbungskosten ab. Die Tatsache, dass er über mehrere Jahre in großem Umfang Fahrtkosten zu Proben und zu Konzerten hatte, zeigt seinen wesentlichen privaten Aspekt.

Die dagegen angestrengte Klage hatte keinen Erfolg. Das Finanzgericht führte aus, Aufwendungen zum Erwerb bestimmter Kenntnisse könnten als Werbungskosten abziehbar sein, wenn ein konkreter Zusammenhang dieser Kenntnisse mit der Berufstätigkeit besteht. Ob dies zutrifft, wird im Einzelfall beurteilt und für die Frage einer privaten oder beruflichen Veranlassung können äußerlich erkennbare Merkmale als Indizien herangezogen werden. Für die berufliche Veranlassung eines Lehrers, der an einem Kurs teilnehme, spricht unter anderem, dass
  • er tatsächlich entsprechenden Unterricht erteilt hat,

  • Veranstalter des Lehrgangs ein anerkannter Verband oder die Schulverwaltung ist,

  • Sonderurlaub erteilt ist,

  • das dienstliche Interesse an der Lehrgangsteilnahme bescheinigt ist,

  • der Lehrgang mit einer Prüfung oder einem Zertifikat abgeschlossen wird und

  • die erworbenen Fähigkeiten anschließend im Lehrberuf verwendet werden sollen.
Im vorliegenden Urteilsfall sprechen aber nahezu alle Indizien gegen eine berufliche Veranlassung, der Lehrer hat beispielsweise an keiner Schule, an der er tätig war, Satzproben in bestimmten Instrumentengruppen durchgeführt, Sonderurlaub wurde nicht gewährt und keine Prüfungen abgelegt. Soweit das Pädagogische Landesinstitut ausführt, dass Proben und Konzerte als „dienstlichen Interessen dienend“ anerkannt werden, ist das nicht ausreichend, weil das auch für Lehrkräfte gilt, die keinen Musikunterricht erteilen.

Damit unterscheidet das Institut auch zwischen lediglich „dienstlichen Interessen dienend“ und „für die dienstliche Tätigkeit von Nutzen sein“, und nur der zweiten Alternative wird Sonderurlaub gewährt. Im vorliegenden Falle besteht das die betreffenden Aufwendungen auslösende Moment auf privaten Umständen, denn der Lehrer ist nach Abschluss seines Studiums weiterhin im Orchester geblieben. Einer denkbaren Verwertung seiner Kenntnisse und Fertigkeiten im schulischen Bereich kommt demgegenüber bestenfalls eine völlig untergeordnete Bedeutung zu.

Die Revision wurde vom Finanzgericht Rheinland-Pfalz nicht zugelassen.
(Quelle: WISO SteuerNews)
 
 
 
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