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Archiv - Steuertipps 2012

Wir haben Ihnen Steueränderungen bzw. Steuerinformationen aus dem Steuerjahr 2012 hier zur Verfügung gestellt. Diese werden von uns nicht mehr aktualisiert. Sie dienen jediglich zu Ihrer Information.

Üppige Steuerentlastung bei weiten Pendelfahrten zum Job...

Datum: 12.03.2012 | Rubrik: Werbungskosten
Zu den Werbungskosten gehören auch notwendige Mehraufwendungen wie Zweifachmiete und Familienheimfahrten, die einem Arbeitnehmer wegen einer aus beruflichem Anlass begründeten doppelten Haushaltsführung entstehen. Grundsätzlich liegt dies vor, wenn er außerhalb des Ortes, in dem er einen eigenen Hausstand unterhält, beschäftigt ist und auch am Betriebsort wohnt. Die gleiche Regelung gilt beim Betriebsausgabenabzug für Unternehmer und Freiberufler. Doch lassen sich die Kosten auch dann noch absetzen, wenn der zweite Wohnsitz über 100 Kilometer von Büro oder Werkbank entfernt liegt? Ein aktuelles Urteil klärt auf.

In einem jetzt vom Finanzgericht Düsseldorf entschiedenen Fall verbrachte ein Ehepaar gemeinsam die Wochenenden in ihren gemeinsamen Hausstand. Nachdem der Arbeitgeber der Ehefrau seinen Firmensitz verlegt hatte, legte sie sich einen zweiten Wohnsitz zu, wobei die Entfernung zwischen dem Domizil und der Arbeitsstätte stolze 141 Kilometer betragen hatte. Das Finanzamt erkannte die weiten Fahrten zwischen der Wohnung und dem Firmensitz nicht als doppelte Haushaltsführung an und strich damit die Werbungskosten. Die Beamten begründeten das damit, dass sich der zweite Hausstand nicht mehr am Beschäftigungsort befinden würde und damit die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sein sollen.

Hiergegen klagte die Ehefrau und kam vor dem Finanzgericht Recht. Die Richter urteilten nämlich, dass Arbeitnehmer und Selbstständige generell eine doppelte Haushaltsführung geltend machen können, wenn sie außerhalb des Ortes, in dem er ihren einen eigenen Hausstand unterhält, beschäftigt ist und dort auch zumindest unter der Woche wohnen. Dabei ist nach Auffassung des Gerichts auch dann noch auszugehen, wenn die Zweitwohnung weder in der politischen Gemeinde des Arbeitgebers noch in deren Einzugsgebiet liegt (Az. 11 K 4448/10 E).

Liegen zwei Großstädte mehr als 100 km Luftlinie voneinander entfernt, kann zwar nicht mehr vom zweiten Haushalt am Beschäftigungsort ausgegangen werden. Allerdings ist unter dem Einzugsgebiet der Bezirk zu verstehen, von dem aus ein Berufstätiger üblicherweise täglich hin und her pendelt. Die Wohnung muss sich also nur so weit im Einzugsbereich des Arbeitsortes befinden, dass ein tägliches Aufsuchen noch problemlos möglich ist. Dabei ist im Zeitalter steigender Mobilitätsanforderungen davon auszugehen, dass es nicht auf die bloße Entfernung ankommt. Denn im Alltag ist es durchaus üblich, dass Arbeitnehmer und Selbstständige größere Entfernungen zwischen Wohnung und Arbeitsstätte in Kauf nehmen, wenn der Betrieb immer noch verkehrsgünstig zu erreichen ist. Dauert die einfache Fahrt wie im Urteilsfall mit dem ICE rund eine Stunde und berücksichtigt man zusätzlich die Zeit für den Weg von Haustür zu Haustür, weil die Pendelei insgesamt etwas länger dauert, liegt dieser Zeitaufwand durchaus immer noch im Bereich des Üblichen.

Da sich die Wohnung der Ehefrau also doch im weiteren Sinne im Einzugsgebiet des Firmenortes befindet, kann der Aufwand für die doppelte Haushaltsführung als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abgesetzt werden. Finanzbeamte dürfen nicht einfach aus der weiten Entfernung zwischen der Zweitwohnung und dem Beschäftigungsort folgern, dass sich der zweite Hausstand nicht am Beschäftigungsort befindet. Denn dies lässt pauschal keine Rückschlüsse darauf zu, ob ein Berufstätiger noch am Beschäftigungsort wohnt oder nicht.
(Quelle: WISO SteuerNews)
 
 
 
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