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Archiv - Steuertipps 2012

Wir haben Ihnen Steueränderungen bzw. Steuerinformationen aus dem Steuerjahr 2012 hier zur Verfügung gestellt. Diese werden von uns nicht mehr aktualisiert. Sie dienen jediglich zu Ihrer Information.

Gehören Aufwendungen eines Arztes für ein Theologiestudium dazu?

Datum: 21.08.2012 | Rubrik: Werbungskosten
In dem am 14. August vom Finanzgericht Rheinland-Pfalz veröffentlichten Urteil zur Einkommensteuer (Az.: 3 K 1240/10) ging es um die Frage, ob die Aufwendungen für ein Theologiestudium als Fortbildungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit als angestellter Arzt zu berücksichtigen sind, wenn der in einer Gemeinschaftspraxis als Facharzt für Nuklearmedizin tätig ist. Dabei ging es bei seinen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit immerhin um Aufwendungen für ein Theologiestudium in Höhe von rund 1.600 Euro im Jahr. Beim Abzug als Werbungskosten würde sich der Fiskus - je nach Progression - immerhin bis zur Hälfte an den Kosten beteiligen.

Der Arzt erläuterte in seiner Einkommensteuererklärung, dass im Rahmen der Patientenbetreuung Seelsorge angeboten werden soll, deswegen habe er das Studium begonnen. Ein Studium mit seelsorgerischer Ausbildung sei bei der Behandlung von zum Teil Schwerstkranken von Vorteil. Denn diese sind mit teilweise dramatisch lebensverändernden Maßnahmen verbunden und zudem besteht bei vielen Patienten bestehe eine erhöhte Suizidgefahr. Grundlagen für eine adäquate seelsorgerische und/oder psychologische Betreuung vermittelt das herkömmliche Medizinstudium aber nicht. Der Arzt argumentierte, dass - im Vergleich mit ärztlichen Wettbewerbern - Patienten angemessener betreut werden könnten, was einen Wettbewerbsvorteil darstellt. Doch das Finanzamt lehnte den begehrten Abzug als Werbungskosten unter anderem mit dem Hinweis darauf ab, dass die Aufwendungen auch eine private Mitveranlassung hätten und somit insgesamt unberücksichtigt bleiben.

Auch die Klage beim Finanzgericht Rheinland-Pfalz hatte keinen Erfolg. Die Richter führten u.a. aus, dass Aufwendungen für eine solche Bildungsmaßnahme abziehbar sind, wenn ein konkreter Zusammenhang mit der Berufstätigkeit besteht. Ob Bildungsaufwendungen überhaupt aus beruflichem Anlass getätigt werden oder ob es sich um privat veranlasste Aufwendungen handelt, ist dabei anhand einer Gesamtwürdigung aller Umstände des konkreten Einzelfalls zu entscheiden. Im zugrunde liegenden Sachverhalt hat der Arzt das Theologiestudium aber nicht begonnen, um einen theologischen Abschluss anzustreben. Er wollte vielmehr seine Kommunikationsfähigkeit beim Umgang mit Patienten in lebensbedrohenden Situationen verbessern. Denn nach dem Grundaufbaus des Studiums ist bei den sehr umfangreichen Fachgebieten nicht ersichtlich, dass der Aspekt der seelsorgerisch/psychologischen Betreuung überhaupt eine ausschlaggebende Rolle spielt.

Die Kompetenzen, die ein Facharzt mit einem Theologiestudium erlangen möchte, werden in diesem Studium nur am Rande berührt. Somit spielen die Aspekte, bei denen einen Fortbildungsbedarf für die Berufsausübung besteht, bei einem Theologiestudium nur eine ganz untergeordneter Bedeutung. Zumal die Interessen der übrigen Studierenden vollkommen andere sind als die des Arztes. Folge: An einem objektiv feststellbaren, hinreichend konkreten Zusammenhang der Aufwendungen zu der ärztlichen Tätigkeit fehlt es demnach vom Gericht zu beurteilenden Jahr.

Hinweis: In späteren Veranlagungszeiträumen sei allerdings eine Berücksichtigung von Werbungskosten denkbar, räumten die Richter ein. Voraussetzung hierfür ist, dass die Inhalte der besuchten Veranstaltungen und Vorlesungen später dann einen konkreten Bezug zu der ärztlichen Tätigkeit aufweisen und sich somit auf die seelsorgerischen und kommunikativen Aspekte beziehen, die der Facharzt in seiner Tätigkeit als Nuklearmediziner im Umgang mit Patienten nutzen will.
(Quelle: WISO SteuerNews)
 
 
 
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