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Archiv - Steuertipps 2012

Wir haben Ihnen Steueränderungen bzw. Steuerinformationen aus dem Steuerjahr 2012 hier zur Verfügung gestellt. Diese werden von uns nicht mehr aktualisiert. Sie dienen jediglich zu Ihrer Information.

Fahrten von Leiharbeitern sind in tatsächlicher Höhe abziehbar...

Datum: 18.01.2012 | Rubrik: Werbungskosten
Das Finanzgericht Münster hat in einem am 15. Dezember 2011 veröffentlichten Urteil zugunsten von Berufspendlern und gegen das Finanzamt entschieden, dass bei Arbeitern, die nur bei einem Entleiher eingesetzt werden, der Werbungskostenabzug für Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte nicht auf einen Betrag von 30 Cent pro Entfernungskilometer begrenzt ist. Vielmehr sind Werbungskosten in Höhe der tatsächlichen Fahrtkosten zu berücksichtigen (Az. 13 K 456/10).

Im zugrunde liegenden Fall war ein Arbeitnehmer als Leiharbeiter tätig. Sein Arbeitsverhältnis war befristet. Während der gesamten Zeit war er im Betrieb eines Entleihers eingesetzt. Das Finanzamt berücksichtigte für die Fahrten dorthin lediglich einen Werbungskostenabzug in Höhe von 30 Cent pro Entfernungskilometer. Er hatte hingegen Fahrtkosten in Höhe von 30 Cent pro tatsächlich gefahrenem Kilometer geltend gemacht.

Das Finanzgericht gab der Klage des Arbeitnehmers jetzt Recht. Es gewährte ihm einen Werbungskostenabzug in Höhe von 0,30 Euro pro tatsächlich zurückgelegten Kilometer, da die niedrigere Entfernungspauschale für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nicht gilt. Er hat nämlich keine regelmäßige Arbeitsstätte gehabt, sondern ist in einer Einrichtung eines Kunden seines Arbeitgebers tätig gewesen. Nach seinem Arbeitsvertrag war er keinem Entleiher fest zugeordnet, sondern ein bundesweiter Einsatz ist möglich gewesen. Er hat sich daher nicht auf einen immer gleichen Weg einstellen und so Fahrtkosten reduzieren können. Nur wenn dies der Fall gewesen wäre, kann die Anwendung der den Werbungskostenabzug begrenzenden Entfernungspauschale gerechtfertigt sein. Dass der Arbeitnehmer im Nachhinein betrachtet tatsächlich ständig bei einem Entleiher eingesetzt worden sei, ändert an dem Ergebnis nichts. Denn maßgeblich ist die künftige Betrachtung: Nur wer sich von vornherein auf einen immer gleichen Weg einstellen könne, habe auch die Möglichkeit, Fahrtkosten zu sparen.

Der Streit basiert auf der Grundregel, dass Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte Werbungskosten sind und das Gesetz hierfür lediglich einen begrenzten Abzug in Form der Entfernungspauschale gewährt - in Höhe von 0,30 Euro pro Entfernungskilometer. Regelmäßige Arbeitsstätte ist jede ortsfeste dauerhafte betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers, der der Arbeitnehmer zugeordnet ist und die er nicht nur gelegentlich, sondern mit einer gewissen Nachhaltigkeit, d.h. fortdauernd und immer wieder aufsucht. Dies ist in der Praxis der Betrieb des Arbeitgebers oder ein Zweigbetrieb, nicht aber eine betriebliche Einrichtung eines Kunden des Arbeitgebers. Regelmäßige Arbeitsstätten sind dadurch gekennzeichnet, dass sich der Arbeitnehmer auf einen immer gleichen Weg einstellen und so die Fahrtkosten mindern kann - etwa durch Bildung von Fahrgemeinschaften, Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder Wahl seines Wohnsitzes.

Die Richter widersprachen damit ausdrücklich der in der Finanzverwaltung vertretenen Ansicht, wonach immer dann eine regelmäßige Arbeitsstätte entsteht, wenn ein Arbeitnehmer von einem Verleiher für die gesamte Dauer des Arbeitsverhältnisses dem Entleiher überlassen oder mit dem Ziel der späteren Anstellung beim Entleiher eingestellt wird. Da die Streitfrage höchstrichterlich noch nicht geklärt ist, hat das Gericht die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen.
(Quelle: WISO SteuerNews)
 
 
 
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