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Archiv - Steuertipps 2011

Wir haben Ihnen Steueränderungen bzw. Steuerinformationen aus dem Steuerjahr 2011 hier zur Verfügung gestellt. Diese werden von uns nicht mehr aktualisiert. Sie dienen jediglich zu Ihrer Information.

Gebühren wirken später steuermindernd...

Datum: 23.09.2011 | Rubrik: Kapitallebensversicherung
Gezahlte Provisionen für die Vermittlung einer ab 2005 abgeschlossenen Kapitallebensversicherung sind keine vorweggenommenen Werbungskosten bei den Kapitaleinkünften. Nach einen aktuellen Urteil vom Finanzgericht Baden-Württemberg handelt es sich vielmehr um Anschaffungsnebenkosten, die der Vermögens- und nicht der Erwerbssphäre zuzuordnen sind (Az. 2 K 3718/08).

Durch diese Einordnung sind die Vermittlungsgebühren als Teil der entrichteten Beiträge erst später zu berücksichtigen, bei Fälligkeit oder einer vorzeitiger Kündigung der Police. Dann gilt als steuerliche Bemessungsgrundlage die Differenz zwischen der erhaltenen Versicherungsleistung und der Summe der auf sie entrichteten Beiträge. Dieser auf den ersten Blick negative Tenor wirkt ist insoweit günstig aus, das es im Rahmen der Abgeltungsteuer seit 2009 keinen Werbungskostenabzug bei der privaten Geldanlage mehr gibt und die Provisionen daher ohnehin nicht absetzbar gewesen werden. Die Vermittlungsgebühr erhöht jetzt die Summe der entrichteten Beiträge und führt somit dazu, dass sich im Zeitpunkt der Leistung aus der Lebensversicherung der zu versteuernde Betrag entsprechend verringert. Dies gilt sowohl für Vermittlungsprovisionen, die an die Versicherung selbst gezahlt werden also auch für die Beträge, die ein Versicherungsnehmer aufgrund eines gesonderten Vertrages unmittelbar an einen Dritten als Vermittler erbringt.

Grundsätzlich unterliegen nach 2004 abgeschlossene Kapitallebensversicherungen - sogenannte Neupolicen - bei Fälligkeit, Verkauf oder Kündigung mit der Differenz zwischen Auszahlung und Summe der Prämien und Vermittlungsgebühren dem pauschalen Abgeltungssatz von 25 Prozent, unabhängig von der eigenen Progression und der Höhe der Kapitaleinnahmen. Das ist im Gewinnfall positiv, denn die Auszahlung auf einen Schlag führt nicht mehr zum Progressionssprung für das übrige Einkommen.

Anders ist es jedoch, sofern bei späterer Kündigung oder Fälligkeit der Vertrag schon mindestens eine Laufzeit von zwölf Jahre ausweist und der Versicherte seinen 60. Geburtstag schon gefeiert hat. Dann unterliegt die positive Differenz zwischen dem Auszahlungsbetrag und der bis dahin geleisteten Prämiensumme zur Hälfte dem individuellen Steuersatz, also der tariflichen Einkommensteuerprogression. In diesem Sonderfall hat die Abgeltungsteuer keine Veränderungen zur vorherigen Rechtslage 2008 gebracht. Die Versicherung hält bei Auszahlung 25 Prozent Kapitalertragsteuer von den vollen positiven Kapitaleinnahmen ein, über die Veranlagung erfolgt dann anschließend eine Korrektur über das Finanzamt mit entsprechend reduzierten Kapitaleinnahmen.

Sind die beiden Kriterien Alter 60+ und Laufzeit 12+ eingehalten und kommt es beispielsweise bei vorzeitiger Kündigung zu negativen Kapitaleinnahmen, sind diese Verluste mit anderen Einkünften wie etwa Miete, Firmengewinn oder Arbeitslohn verrechenbar. Unterliegen die Einkünfte hingegen der Abgeltungsteuer, gleichen die negativen Kapitaleinnahmen nur andere Kapitaleinkünfte wie Zinsen, Dividenden oder Kursgewinne aus.

Da Sparer in der Regel bei Versicherungen keine Depots unterhalten, kann ein Verlustausgleich nicht sofort bei Kündigung oder Fälligkeit über das Institut erfolgen. Der Anleger muss dies über seine Einkommensteuerveranlagung nachholen, indem er hier über Banken erzielte positive Kapitaleinnahmen erklärt und die einbehaltene Abgeltungsteuer insoweit erstattet wird.
(Quelle: WISO SteuerNews)
 
 
 
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