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Archiv - Steuertipps 2011

Wir haben Ihnen Steueränderungen bzw. Steuerinformationen aus dem Steuerjahr 2011 hier zur Verfügung gestellt. Diese werden von uns nicht mehr aktualisiert. Sie dienen jediglich zu Ihrer Information.

Krankheitskosten sind nach klaren Regeln absetzbar...

Datum: 20.06.2011 | Rubrik: Außergewöhnliche Belastung
Um Krankheitskosten bei der Einkommensteuer als außergewöhnliche Belastungen geltend zu machen, muss der Nachweis einer Krankheit und der medizinischen Indikation der Behandlung nicht mehr zwingend durch ein vor Beginn der Behandlung eingeholtes amts- oder vertrauensärztliches Gutachten oder Attest geführt werden muss. Denn unter Änderung seiner bisherigen Rechtsprechung hatte der Bundesfinanzhof jüngst in zwei Urteilen entschieden, dass zur Geltendmachung von Arztrechnung oder Rezepten ein Nachweis durch alle geeigneten Beweismittel geführt werden kann. Das bisher verlangte formalisierte Nachweisverlangen ergebe sich nicht aus dem Gesetz und widerspreche dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung, so die Richter. Es sei nämlich nicht ersichtlich, warum nur ein Amtsarzt, nicht aber ein anderer Mediziner die erforderliche Sachkunde und Neutralität besitzen soll, die medizinische Indikation von nützlichen Maßnahmen objektiv und sachverständig beurteilen zu können.

Aufgrund dieser geänderten Rechtsprechung wird nun über das Steuervereinfachungsgesetz über die Einkommensteuer-Durchführungsverordnung eindeutig definiert, welche Nachweise das Finanzamt für welche Maßnahmen benötigt, damit es die geltend gemachten Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastung anerkennen kann. Begründet wird die Neuregelung damit, dass betroffenen Personen dadurch das Risiko einer Kostenbelastung infolge einer falschen Beurteilung der Anspruchsvoraussetzungen erspart bleibt, indem die Vorgabe zu Rechtssicherheit und -klarheit führt.

Dabei gibt es die Grundbedingung, dass die verlangten Nachweise vor Beginn der Heilmaßnahme oder dem Kauf des medizinischen Hilfsmittels wie etwa einer Gehhilfe vor Beginn der jeweiligen Heilmaßnahme oder dem Erwerb einer Sehhilfe ausgestellt sein müssen. Dabei handelt es sich um drei verschiedene Belegarten:
  1. Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel

  2. Amtsärztliches Gutachten oder eine ärztliche Bescheinigung eines Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung

  3. Bescheinigung des behandelnden Krankenhausarztes.
Welche der drei Alternativen benötigt wird, hangt von der jeweiligen Situation ab. Die Bescheinigung nach der Nummer 1 ist immer dann zu verwenden, wenn nicht eine der beiden Ausnahmen zum Zuge kommen. Dabei handelt es sich bei der Nummer 2 um Kuren verschiedener Arten, psychotherapeutische Behandlungen, auswärtige Unterbringung eines an Legasthenie oder einer anderen Behinderung leidenden Kindes, als Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens anzusehende medizinische Hilfsmittel sowie wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsmethoden wie etwa die Eigenbluttherapie. Bei Krankenbesuchen ist die Bescheinigung nach Nummer 3 nötig, wenn es um Besuchsfahrten zu einem für längere Zeit im Krankenhaus liegenden Ehegatten oder Kind geht. Hieraus muss hervorgehen, dass der Besuch zur Heilung oder Linderung einer Krankheit entscheidend beitragen kann.

Diese Gesetzesänderung darf nach der Verkündung des Steuervereinfachungsgesetzes in allen noch nicht bestandskräftigen Fällen angewendet werden, also auch für alte Jahre.
(Quelle: WISO SteuerNews)
 
 
 
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