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Archiv - Steuertipps 2011

Wir haben Ihnen Steueränderungen bzw. Steuerinformationen aus dem Steuerjahr 2011 hier zur Verfügung gestellt. Diese werden von uns nicht mehr aktualisiert. Sie dienen jediglich zu Ihrer Information.

Das Reverse-Charge-Verfahren bringt Sonderregelungen...

Datum: 30.05.2011 | Rubrik: Umsatzsteuer
Durch die Umkehr der Schuldnerschaft bei der Umsatzsteuer will der Fiskus Steuerausfälle in so genannten Risikobranchen verhindern. Diese Ausfälle entstehen dadurch, dass der Leistungsempfänger die in Rechnung gestellte Umsatzsteuer sofort wieder beim Finanzamt als Vorsteuer absetzt, während die Umsätze vom leistenden Unternehmer überhaupt nicht oder zumindest nicht vollständig im Besteuerungsverfahren erfasst werden. Daher kommt es beispielsweise in der Baubranche und bei Gebäudereinigern zur Umkehr der Schuldnerschaft, dem so genannten Reverse-Charge-Verfahren.

Hierbei erhält der ausführende Unternehmer die Umsatzsteuer überhaupt nicht mehr von seinen Abnehmern, denn er stellt seinen Geschäftskunden Netto-Rechnungen ohne Umsatzsteuer aus. Die entsteht im Zeitpunkt der Ausstellung der Rechnung, spätestens jedoch mit Ablauf des der Ausführung des Umsatzes folgenden Kalendermonats und muss dann vom Leistungsempfänger beim Finanzamt angemeldet werden. Im Ergebnis wird dem leistenden Unternehmer nur den Nettobetrag überwiesen und es fließt überhaupt keine Umsatzsteuer ans Finanzamt, weil der Kunde den Betrag gleichzeitig wieder als Vorsteuer abziehen kann. Daher tritt der Fiskus auch nicht mehr bei der Vorsteuer in Vorkasse und vermeidet Steuerausfälle, weil er die Umsatzsteuer auf der anderen Seite nicht einzufordern braucht.

Bereits über das Jahressteuergesetz 2010 kam die Umkehr der Schuldnerschaft bei der Umsatzsteuer ab Neujahr 2011 in weiteren Risikobranchen hinzu. Hierzu gehören die Reinigung von Gebäuden, Hausfassaden und Fenstern sowie die Lieferung von Industrieschrott, Altmetallen, sonstigen Abfallstoffen sowie Gold. Über das Sechste Gesetz zur Änderung von Verbrauchsteuergesetzen soll nunmehr die Umkehr der Steuerschuldnerschaft ab Juli 2011 auch die Lieferung von Mobilfunkgeräten sowie integrierten Schaltkreisen wie Mikroprozessoren und Zentraleinheiten für die Datenverarbeitung umfassen, wenn die Summe der für diese Umsätze in Rechnung gestellten Entgelte mindestens 5.000 Euro beträgt. Für die Anwendung der Betragsgrenze wird dabei auf alle im Rahmen eines zusammenhängenden wirtschaftlichen Vorgangs gelieferten Gegenstände, um Manipulationen etwa durch Aufspalten der Rechnungsbeträge auf Forderungen jeweils unter 5.000 Euro zu unterbinden.

Der Bundesrat soll dem Gesetz in seiner Sitzung am 27. Mai 2011 zustimmen, so dass es voraussichtlich Mitte Juni im Bundesgesetzblatt verkündet wird. Damit bleibt betroffenen Unternehmen nicht mehr viel Zeit, um diese Neuregelung richtig umzusetzen. Sie müssen ihr Personal entsprechend schulen und ihre Kassen- und IT-Systeme anpassen oder sogar komplett umstellen. Dabei ist zu beachten, dass es bei Lieferungen an Nichtunternehmer unabhängig vom Rechnungsbetrag bei der Steuerschuld des leistenden Unternehmers bleibt. Die Umsatzsteuer ist also bei Privatkunden weiterhin einzufordern.
(Quelle: WISO SteuerNews)
 
 
 
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